Streetsoccer

Ballzauber zwischen Banden



Streetsoccer ist die modene Variante des "Straßenfußballs".

Sieht man den Trainer des deutschen Meisters der Saison 2011/2012, Borussia Dortmund, bei den Spielen seiner Mannschaft, trägt er meist eine Kappe. Darauf steht in Großbuchstaben das Wort „Pöhler“. Vom Ruhrpott-Dialekt ins Hochdeutsch übersetzt, heißt das Wort soviel wie „Straßenfußballer“. Ein Begriff, der in letzter Zeit stets auch mit Wehmut verbunden wurde.
 
Es gebe heutzutage leider kaum noch Fußballer, die beim Kicken auf Straßen, Parkplätzen, Schul- und Hinterhöfen das Fußball-ABC erlernen, hieß es häufig, wenn es um die Nachwuchsausbildung geht. Dabei sei das die beste Schule, um eine Grundausbildung mit dem Fuß zu erlernen.

Doch wer die „Gattung Straßenfußballer“ vom Aussterben bedroht sieht, kann aufatmen: Seit einiger Zeit gibt es hierzulande zahlreiche Veranstaltungen, Turniere und Ligen, bei denen sich Ball-Talente austoben können, ohne dass sie in verkehrsberuhigten Straßen auf die Suche nach den letzten Nischen gehen müssen.

Viele Landesverbände des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vermieten Anlagen. In einigen Städten haben sich sogar regelrechte Serien etabliert. Ob Marktplätze, Einkaufsstraßen oder Höfe – die Arena auf Asphalt lebt, die Athleten im Teenager-Alter sind begeistert vom Streetsoccer-Angebot.

Erste Erfolgsgeschichten scheint der wiederkehrende Trend auch schon zu schreiben. Mit Spielern, wie dem Bayern-Youngster Xherdan Shaqiri oder dem Schalker Talent Christoph Moritz sprechen wieder die ersten Spieler davon, ihre Karriere, dem Straßenfußball zu verdanken.

 

Trendsport wird zum Trendsetter

Besonders populär ist das Angebot in erster Linie in den großen Städten, wie beispielsweise in Hamburg: In der Hansestadt gibt es schon seit 2002 eine Streetsoccer-Liga, die sich als dauerhaftes außerschulisches Sportangebot an nicht vereinsgebundene Kinder und Jugendliche richtet. Hier wird der Integrationsgedanke gelebt, entfaltet sich multikulturelles Miteinander im besten Sinn, haben Gewalt, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit keinen Platz – der Trendsport wird somit zum Trendsetter für die Gesellschaft, der Fair-Play-Gedanke hat Vorbildcharakter.



Gespielt werden kann nahezu an jedem Ort.

„Als Nationalspieler bin ich keinem Zweikampf ausgewichen, fair geht da aber immer vor“, sagt der DFB-Trainer Horst Hrubesch, einer der Schirmherren der Hamburger Streetsoccer-Liga dazu. „Gewalt hat auf dem Platz nichts zu suchen. Welche Hautfarbe ein Spieler hat, spielt keine Rolle.“

Auch in anderen deutschen Städten wie Köln oder Berlin hat der „Kick im Käfig“ in den zwischen zehn und 15 Metern breiten sowie 15 und 30 Meter langen Courts in den letzten Jahren absolute Hochkonjunktur. Seit dem Sommer 2006 gibt es sogar eine Deutsche Meisterschaft im Straßenfußball. Vor allem sozial benachteiligte Jugendliche können durch Turniere in den Fokus der Öffentlichkeit gelangen.

Immer wieder haben bekannte Persönlichkeiten die Veranstaltungen unterstützt. So war der ehemalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder Schirmherr der Austragung 2007, Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder repräsentierte das Event in seiner Heimatstadt Hannover im September 2008 und der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig Grafite überreichte den Siegerpokal 2009. Sogar Bundestrainer Joachim Löw trat 2010 als Repräsentant der sozialen Veranstaltung auf.

Die Erfolgsfaktoren von Streetsoccer sind schnell erklärt. Das Regelwerk ist einfach, und variabel: Ein Spiel kann zwischen zehn und 15 Minuten dauern. Ein Team besteht aus vier bis acht Spielern; es wird mit Bande, aber ohne Abseits gespielt.

Wichtig ist auch die mobile Einsatzmöglichkeit der Streetsoccer-Anlagen. Die leichten, zugleich jedoch äußerst stabilen, Konstruktionen bestehen aus Aluminiumgestänge und Bandenelementen mit integrierten Toren und können sowohl draußen als auch in der Halle einfach aufgebaut werden.

In der Regel haben die Streetsoccer-Mannschaften fantasievolle Namen wie „Hannibals Erben Kiel“ oder „Dirty Devils Gifhorn“. Heiße Musik und fetzige Rhythmen beflügeln die Kicker und animieren das Publikum. Ballzauber zwischen den Banden – der ideale Spielplatz für die Götzes und Özils von morgen.