21.12.2012 12:23 Thema Hallentraining

"Kein Gebolze, sondern Spielkultur!"

"Auch mal mit den Hallengeräten arbeiten" - Paul Schomann  © DFB
"Auch mal mit den Hallengeräten arbeiten" - Paul Schomann
Paul Schomann, langjähriger U-Trainer des DFB, nun u.a. als DFB-Trainer für den Basisfußball zuständig, spricht mit Training & Wissen online über Bewegungsschulung, Hallentraining und was der Fußball vom Futsal lernen kann.

Training & Wissen online: Herr Schomann, was halten Sie als Trainer vom Hallentraining?

Paul Schomann: In den jüngeren Altersbereichen, also bis zur D-Jugend, halte ich das in den Wintermonaten für einen guten Ausgleich. Insbesondere was die allgemeine Bewegungsschulung betrifft. Man kommt mal weg vom reinen Fußballtraining und kann viele andere Übungen mit und an den Hallengeräten machen.

TWO: Welche Übungen meinen Sie?

Schomann: Geschicklichkeitsaufgaben, Koordinationsübungen, Fang- und Wurfspiele mit anderen Bällen – da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Die Halle mit ihren speziellen Geräten ist perfekt dafür geeignet. Ein gutes Beispiel für so ein Training ist das DFB-Mobil-Hallentraining, an dem ich mitgearbeitet habe (siehe unten als PDF-Datei).

TWO: Welche Geräte können eingesetzt werden?

Schomann: In Fang-, Lauf- und Ballspielen kann man Kästen, Matten, Langbänke oder Seile, als Ziele und Tore verwenden. Was die Kinder auch toll finden, ist, wenn man Hindernisparcours aufbaut. Oder einfach mal Basketball, Volleyball, Handball, Völkerball, Brennball, etc. spielen.

TWO: Und wo bleibt das Fußballspielen?

Schomann: Das darf natürlich nicht zu kurz kommen. Die Kinder kommen ja schließlich ins Fußballtraining. Auch da bietet die Halle gute Möglichkeiten. Viele Bewegungen im kleinen Raum, Geschicklichkeitsaufgaben mit dem Ball, attraktive Technikaufgaben, das ist für die Entwicklung der jungen Fußballer absolut positiv.

TWO: Apropos Entwicklung. Hört sich an, als wäre die Halle eher was für Techniker.

Schomann: Das stimmt. Kleine, wendige, schlaue, ideenreiche Spieler sind im Vorteil. Der Raum ist kleiner. Die Körperkraft und der Körperbau sind nicht das Entscheidende, weil die Distanzen kürzer sind. Da kann der kleine Spieler Aktionen erfolgreich gestalten. Das gelingt ihm draußen vielleicht nicht immer, weil er dann von den großen Spielern eingeholt wird. Für den Großen ist es aber auch gut. Auf engem Raum kann er sich nicht auf seine Körpergröße verlassen. Er muss lernen, dass fußballerische Mittel gefordert sind, wenn er erfolgreich sein will.

TWO: Wie kann ich diese Effekte als Trainer fördern?

Schomann: Da muss ich mir schon was einfallen lassen. Ich habe ja weniger Raum als draußen zur Verfügung. Kleine Fußballspiele, Bewegungs- und Geschicklichkeitsaufgaben, interessante Technikaufgaben, unter Einsatz der hallenspezifischen Gegebenheiten, also Wand und Geräte, bieten sich an. Alle Spieler sollten eingebunden sein, auch in kleineren Hallen. Es ist auch wichtig, dass stets ein kleiner Wettkampfcharakter mit eingebracht wird, weil die Kinder sich immer messen wollen. Auf Training online gibt es ein paar ganz tolle Einheiten für die Kleinen.

TWO: Wie sieht es mit Hallentraining in den älteren Jahrgängen und bei den Erwachsenen aus?

Schomann: Ab der C-Jugend ist ein gezieltes Training mit Hinsicht auf verbessertes Wettkampf- und Spielverhalten in der Halle nicht mehr angebracht. Es ist zwar eine willkommene Ergänzung mit vielen Aktionen und Toren im kleinen Raum, aber mehr nicht.

TWO: Wieso macht das Training hier weniger Sinn?

Paul Schomann war viele Jahre für den DFB als U-Trainer aktiv   © DFB
Paul Schomann war viele Jahre für den DFB als U-Trainer aktiv
Schomann: Weil man ab der C-Jugend schon auf dem Großfeld spielt. Es stehen dann in der Ausbildung schwerpunktmäßig gruppen- und mannschaftstaktische Aufgaben im Vordergrund. Da sollte man so trainieren, wie es auch im Wettkampf gefordert wird.

TWO: Trotzdem trainieren Jugendliche und Erwachsene gerne in der Halle.

Schomann: Ich spiele auch gerne in der Halle, die Betonung liegt auf Spielen. Bei den Jugendlichen und Älteren wird das nicht anders sein. Einfach mal nach Herzenslust frei kicken. Kurze Wege, viele Ballberührungen, ständig in Aktion, viele Tore – das macht halt Spaß. Aber auch hier habe ich Verbesserungstipps.

TWO: Und welche?

Schomann: Mal einen sprungreduzierten Futsal-Ball ausprobieren. Das gilt übrigens für alle Altersklassen, von den Bambini bis zu den Alten Herren. Es ist nachgewiesen (siehe Futsal-Studie), dass Kinder mit diesem Ball mehr Ballkontakte haben und ihn besser kontrollieren können. Der Ball hilft, sich technisch zu verbessern, weil er in etwa die Sprungeigenschaften hat, die ein normaler Ball draußen auf dem Platz hat. Der normale Fußball springt ja in der Halle viel höher als draußen. Also hilft es dem Spieler auch hinsichtlich seiner Ballbehandlung auf dem Hart- oder Rasenplatz.

TWO: Gibt es weitere Tipps aus dem Futsal, die nützlich sind?

Schomann: Nicht nur der Ball hat Vorteile. Auch die ein oder andere Regel sollte umgesetzt werden.

TWO: Welche Regeln meinen Sie?

Schomann: Zum Beispiel, dass man in der Halle nicht grätscht. Oder, dass man mit Seiten- und Toraus spielt, weil die Spieler dann konzentrierter im Passspiel sind. Wenn mit Bande gespielt wird, ist klar, dass der Ball im Spiel bleibt. Draußen habe ich aber auch keine Bande.

TWO: Wo kann der traditionelle Hallenfußball noch vom Futsal lernen?

Schomann: Die Futsal-Foulregel macht auch Sinn. Ab dem sechsten Mannschaftsfoul gibt es einen Strafstoß fürs gegnerische Team. Da überlege ich mir zweimal, ob ich ein Foul begehe. Grätschverbot, Seitenaus und Foulregel, diese drei Regeln sind ganz einfach umzusetzen und zahlen sich wirklich aus.

TWO: Damit könnte auch die erhöhte Verletzungsgefahr in der Halle vermindert werden?

Schomann: Genau. Außerdem fällt die Bande weg, wo es im Aktivenbereich ja auch öfters knallt. Das Gebolze wird eingedämmt und das Spiel attraktiver und technisch betonter.

TWO: Ich fasse mal zusammen. Bis zur D-Jugend kann die Halle auch zum Training genutzt werden, um die Spieler weiter zu entwickeln. Ab der C-Jugend bis zu den Senioren ist die Halle im Winter als Abwechslung geeignet. Allerdings sollten dann generell in der Halle ein paar Futsal-Regeln beachtet werden, weil dadurch das Spiel attraktiver wird.

Schomann: Ja, es dominieren spielerische Akzente. Kein Gebolze mehr, sondern Spielkultur, so soll es sein.

Das DFB-Mobil Hallentraining
Hier können Sie es herunterladen
So trainieren Sie Futsal
Trainingseinheiten zum Herunterladen

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